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Kritische Fragen an DB-Projektmanager Dirk Schütz in der Mitgliederversammlung

27. 10. 2020

Kritische Fragen an DB-Projektmanager Dirk Schütz in der Mitgliederversammlung
Vielen kritischen Fragen musste sich der neue DB-Projektmanager der DB Netz AG für die Kurve Kassel Dirk Schütz in der Mitgliederversammlung unserer BI am 27.10.2020 stellen. 40 Mitglieder waren in die Kulturhalle Niedervellmar gekommen, wo sie entsprechend den Corona-Auflagen mit ausreichendem Abstand Platz fanden. Herr Schütz stellte zunächst noch einmal den Zweck einer Kurve Kassel aus der Sicht der Bahn dar.

Kein Lärmschutz an Bestandsstrecken trotz drastisch steigender Güterzugzahl?
DB-Manager Schütz ging dann auf das kritische Thema Lärmschutz an Schienenstrecken ein, das allen Menschen an der Strecke Warburg – Kassel und damit auch uns in Vellmar auf den Nägeln brennt. Denn auf dieser Strecke soll die Zahl der Güterzüge auf von aktuell 56 bis 2025 auf 151 steigen, also um ca. 170 %. Davon würden aber nur 44 über eine Kurve Kassel abgeleitet, der Rest würde weiter auf der alten Strecke durch Obervellmar fahren. Lärmschutz kann aber nur an einer Neubaustrecke verlangt werden oder wenn der bestehende Schienenweg mit durchgehenden Gleisen erweitert wird. Wenn an einer Strecke baulich nichts verändert wird, besteht kein Anspruch auf Lärmschutz, auch wenn sich der Lärm durch steigende Zugzahlen drastisch erhöht. In diesem Fall kommt nach Angaben von DB-Manager Schütz nur ein „übergesetzlicher“ Lärmschutz durch eine Entscheidung des Bundestages in Betracht, wenn genügend Druck durch die Betroffenen gemacht wird und auf kommunaler Ebene entsprechende Forderungen erhoben werden.

Zweifel am Ergebnis der „Laufweguntersuchung“ für die Alternativstrecke
Kritische Nachfragen der Teilnehmer an Herrn Schütz gab es auch, als er das Ergebnis einer „Laufweguntersuchung“ für die Strecke Altenbeken – Northeim – Nordhausen präsentierte. Die hatte die Bahn erstmals wenige Tage zuvor beim 6. Runden Tischs am 19.10.2020 vorgelegt. Obwohl die Alternativstrecke 32 km kürzer ist, würden laut Herrn Schütz die Güterzüge tagsüber dort deutlich länger brauchen. Wegen der eingleisigen Abschnitte, die auch nach einem Ausbau bleiben sollen, wären die Güterzüge wegen der im Stundentakt verkehrenden Nahverkehrszüge zu Wartezeiten gezwungen. Viele Diskussionsteilnehmer bezweifelten, dass die hier unterstellten Zugfolgen auf realistischen Annahmen beruhen.

Warum wird erst jetzt die FFH-Prüfung mit Genehmigungsrisiken für Varianten 1, 2 und 3 vorgelegt?
In der Diskussion zeigten Teilnehmer auch kein Verständnis dafür, dass die Bahn erst jetzt beim 6. Runden Tisch am 19.10. für drei Varianten (V) der Kurve Kassel (V1 Immenhausen – Wilhelmshausen, V 2 Immenhausen – Speele und V3 Möchehof – Speele) ein „erhebliches Genehmigungsrisiko“ festgestellt hat, weil sie FFH-Schutzgebiete in der Fuldaaue beeinträchtigen würden. Wo FFH-Schutzgebiet liegen, stand von Anfang an fest. Im Ergebnis blieben danach nur die Varianten übrig, die Vellmar stark betreffen: die V4 A/B/C am nord-östlichen Stadtrand mit kilometerlangen Tunneln und die V5 durch Niedervellmar mit der riesigen Brücke über die B 83. Von Herrn Schütz wurde nachdrücklich verlangt, dass die Gesundheit der Menschen und der Schutz von Natur und Landschaft in Vellmar bei der Variantenprüfung umfassend beachtet werden und Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben müssen.

 

Foto: BI-Sprecher Klaus Werner begrüßt die Teilnehmer der Mitgliederversammlung