Wichtiges zur „Kurve Kassel“ in Kürze 

1.       Was ist die „Kurve Kassel“? 

Die Kurve Kassel ist die Projektbezeichnung der Deutsche Bahn AG für eine geplante eingleisige Neubaustrecke für den Güterschienenverkehr, die nördlich von Kassel verlaufen soll. 

2.       Was wird mit der „Kurve Kassel“ bezweckt? 

Der zukünftig erwartete starke Zuwachs beim Schienengüterverkehr auf der West-Ost-Achse soll verstärkt über Kassel geleitet werden. Die Güterzüge von West nach Ost und umgekehrt nutzen bisher überwiegend die Verbindung über Minden, Hannover, Braunschweig und Magdeburg. Diese ist nach Angaben der Bahn überlastet und kann keine zusätzlichen Zugkapazitäten mehr aufnehmen. Mit der geplanten neuen Gleisverbindung nördlich von Kassel soll die von Westen kommende Eisenbahnstrecke Paderborn – Altenbeken – Kassel direkt mit der nach Osten führenden Strecke  Kassel – Nordhausen – Halle (Saale) verbunden werden. 

3.       Warum will die Bahn mit einer Schienendirektverbindung den Güterverkehr um Kassel herumführen? 

Derzeit müssen Güterzüge in Ost-West-Richtung bzw. umgekehrt, die über Kassel geleitet werden, in den Kasseler Rangierbahnhof einfahren und dort die Fahrtrichtung ändern. Dies führt zu Verzögerungen und Personalkosten beim Umrangieren, die die Bahn mit der Streckenführung über eine Kurve Kassel vermeiden will.  

Die Bahn sieht in der Beschleunigung des Güterverkehrs durch die Kurve Kassel ausdrücklich die „Schaffung einer weiteren Güterverkehrsverbindung zwischen Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen und Osteuropa“. 

4.       Sollen auf der „Kurve Kassel“ wirklich nur Güterzüge fahren? 

Das Projekt „Kurve Kassel“ ist nach Angaben der Bahn ausschließlich für den Güterverkehr vorgesehen. Dabei ist die Streckenführung eingleisig, elektrifiziert und mit einem Überholgleis an den Abzweigstellen geplant. Die vorgesehene Streckengeschwindigkeit beträgt 80 km/h. 

Die Bahn geht davon aus, dass schon bis 2025 täglich 44 Güterzüge über die Kurve Kassel fahren. 

5.       Wo soll die „Kurve Kassel“ genau verlaufen? 

Die genaue Streckenführung für die Kurve Kassel steht gegenwärtig noch nicht fest. Gegenwärtig werden verschiedene Streckenvarianten innerhalb eines „Untersuchungsraums“ im Norden von Kassel von der Bahn untersucht. Als mögliche Korridore für eine Streckenführung wurden von der Bahn bisher benannt: 

Variante 1:  Espenau-Mönchehof nach Staufenberg-Speele
 Variante 2:  Espenau-Mönchehof nach Fuldatal-Ihringshausen
 Variante 3: „Verbindungskurve“ Niedervellmar
 

6.       Wer hat die Entscheidung für die „Kurve Kassel“ getroffen? 

Die Entscheidung für die Kurve Kassel wurde in dem vom Bundeskabinett am 03.08.2016 beschlossenen „Bundesverkehrswegeplan 2030“, dem eine sog. Strategische Umweltverträglichkeitsprüfung und ein „Beteiligungsverfahren“ durch Auslegung an bestimmten Orten und online voran ging, festgelegt. Die dort vorgesehenen Aus- und Neubauprojekte im Schienennetz wurden durch Änderung des „Bundesschienenwegeausbaugesetzes“ vom 22.12.2016 umgesetzt. Dort ist in der Anlage zum Gesetz die „ABS Paderborn- Halle (Kurve Mönchehof-Ihringshausen)“ als „vordringlicher Bedarf – Engpassbeseitigung“ aufgeführt. 

7.       Ist die Streckenführung für die Kurve Kassel durch die Festlegung im Bundesverkehrswegeplan 2030 nicht schon verbindlich festgelegt? 

Nach Angaben der Bahn hat die Festlegung der Streckenführung von Espenau-Mönchehof nach Fuldatal-Ihringshausen für die Kurve Kassel im Bundesverkehrswegeplan 2030, für die ein Aufwand von 79,3 Mio. € ermittelt wurde, keine Verbindlichkeit. Es soll sich dabei nur um eine „Referenzvariante“ handeln, mit der lediglich der volkswirtschaftliche Nutzen nachgewiesen werden soll. Die Bahn hat nun den Auftrag des Gesetzgebers für die Kurve Kassel auszuführen. Sie darf nach ihrer Einschätzung aber in einem Auswahlprozess unterschiedliche Varianten für die Streckenführung prüfen. 
 

8.       Wie ist der aktuelle Stand beim Projekt „Kurve Kassel“? 

Gegenwärtig findet unter Beteiligung der Öffentlichkeit mit dem sog. Runden Tisch ein Vorverfahren vor dem nachfolgenden formellen  Raumordnungsverfahren statt. Dort soll eine geeignete Streckenführung als „Antragsvariante“ gefunden werden. Sie soll möglichst eine hohe Akzeptanz bei den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern finden, den gesetzlichen Anforderungen an die Raumordnungs- und Umweltverträglichkeit entsprechen und die wirtschaftlichen Zielsetzung für die Neubaustrecke erfüllen.  Für diese Prüfung hat das Regierungspräsidium Kassel als zuständige Behörde der Bahn genaue Vorgaben gemacht.
 

9.       Was ist der „Runde Tisch“? 

Der Runde Tisch ist ein von der Bahn eingerichtetes Instrument der frühen Betei­ligung der Öffentlichkeit beim Projekt „Kurve Kassel“. Am Runden Tisch sollen alle vom Projekt betroffenen Gruppen, Personenkreise und Institutionen von der Bahn Informationen „aus erster Hand“ zum Planungsverfahren erhalten. Sie können dort aber auch Bedenken und Einwände vor­bringen und Hinweise und Anregungen aus der Bevölkerung weitergeben. Der 1. Runde Tisch hat am 25.02.2019 im Bürgerhaus Vellmar-West stattgefunden. Unsere Bürgerinitiative ist am Runden Tisch durch ihren Sprecher vertreten. 

10.   Was hat unsere Bürgerinitiative beim 1. Runden Tisch am 25.02.2019 gefordert? 

Unsere Bürgerinitiative hat am Runden Tisch auf die Ergebnisse der Voruntersuchungen hingewiesen, die von der Bahn für die Auswahl der Streckenvarianten der Kurve Kassel bereits durchgeführt wurden. Danach ist bei allen Varianten einer Streckenführung nördlich von Kassel mit hohen bzw. sehr hohen Belastungen für Mensch, Natur, Landschaft und Wohnqualität zu rechnen. Jede der von der Bahn vorgeschlagene Variante führt nicht nur zu erheblichen Eingriffen in die Schutzgüter der Umweltverträglichkeitsprüfung, sondern auch zu gravierenden Änderungen für Wohnqualität einschließlich der Naherholungsmöglichkeiten und beträchtlichen Folgen für gewerbliche und landwirtschaftliche Betriebe. 

Wie viele andere am Runden Tisch hat unsere Bürgerinitiative gefordert, die vorhandene Bahnstrecke Paderborn-Altenbeken-Bodenfelde-Northeim-Nordhausen (Solling-Südharz-Strecke) für den zukünftig wachsenden Schienengüterverkehr als Alternative zur Kurve Kassel zu nutzen, d.h. diese Strecke wieder durchgängig zweigleisig auszubauen und zu elektrifizieren. 

11.   Was war das Ergebnis des 1. Runden Tischs? 

Die Bahn hat beim 1. Runden Tisch eingelenkt und ist auf die Forderungen der Bürgerinitiativen, aber auch der anwesenden Bürgermeister der betroffenen Kommunen und der Bundestags- und Landtagsabgeordneten aus unserer Region eingegangen, die Alternativstrecke (ggf. auch mit einer Streckenführung Paderborn-Altenbeken-Bodenfelde-Göttingen-Bodenfelde-Göttingen-Eichenberg-Nordhausen) zu prüfen.  Das Ergebnis dieser Prüfung soll in der nächsten Sitzung des Runden Tischs voraussichtlich im August 2019 vorgestellt werden.